Freitag, 30. November 2007

Purple Piano

Manchmal setze ich mich ans Klavier und klimpere einfach so auf den Tasten rum. Wenn ich alleine bin, ist es meistens etwas in Moll. Und wenn keiner zuhört, dann traue ich mich auch, dazu zu singen, was auch immer mir so einfällt. Meistens irgend ein Blödsinn. Aber oft ist es ganz spontan dann doch etwas aus dem Herzen. Oder wenigstens aus dem Bauch. Zumindest etwas, was über meine Hände in die Tasten fließt. Und dann, wie gestern Nachmittag, über den Resonanzkörper meines Pianos durch die Linse meiner Digitalkamera fast direkt in meinen Amalgam-Blog...

video

Montag, 26. November 2007

Noda Voda













* * *

Dien Dach
Mien Dach
Onse Welte send soo wiet
Utnaunda
Vele Kelemeeta, vele Joare
Parkinson en Tjrich en meea
Aus bloos eene framde Welt
Licht tweschen ons
Bridje
Jefft daut bloos en onsem Hoat
Lidje
Mottst du nu
Den gaunzen Dach en etj
Ran busich derche Welt
Lew wie bloos opp
Nobaschauft?
Etj see Lukas, mienen Sehn
En Jan, mien Jinjsta
En etj spea
Daut etj die emma noda kom
Etj kom die noda, Voda
Tolot?
Ooda mott wie beid noch
Tjlienbet wachte?

* * *

Dit Jedicht schreef etj mol aun eenem 9. Septamba ver een poa Joa en eenem Cafe. Etj we unjaweajes, hild aun, drunk eenen Koffe, hield, kunn nich opphere, en schreef dise Wed opp eene Serviette.

Aun janem Septamba-Dach word Papa 80 Joa oolt. Dan lewd hee noch...

Samstag, 17. November 2007

Johann Wiens 1925 - 2007


Im Trauergottesdienst vor der Beerdigung meines Vaters las Johann Voth, der Mann meiner Schwester Anni, den Lebenslauf meines Vaters vor. Schon merkwürdig, wenn man da so als Zuhörer in den Bänken sitzt, zuhört, und sich bemüht zu verstehen, dass dies hier der eigene Vater ist, Papa, der Mann in meinem Leben... Hier der Text, den Johann mit meiner Mutter und meinen Geschwistern zusammegestellt hat:

* * *

Johann Wiens wurde am 9. September 1925 in der deutschen Siedlung Margenau in der heutigen Ukraine geboren. Seine Eltern waren Johann und Anna Wiens. Die Familie hatte zwei Söhne, Rudolf und Johann. Der Vater war Finanzbuchhalter von Beruf und die Familie besaß einen gut laufenden Bauernhof.

Ende der Zwanziger und während der Dreißiger Jahre herrschten in der Sowjetunion dunkle und schwere Zeiten der stalinistischen Herrschaft. Zuerst kam die Enteignung der Privatwirtschaft, dann große Hungersnot und später eine Welle von Verhaftungen.

Im Jahre 1937 traf es auch die junge Familie Wiens. Der Vater Johann Wiens wurde verhaftet und kam nie mehr zurück. Erst viele Jahre später hat man erfahren, dass er kurz nach seiner Verhaftung ohne eine Gerichtsverhandlung hingerichtet worden war. So blieb Anna Wiens als Witwe mit ihren zwei Söhnen alleine zurück. Es waren schwere Zeiten, aber die Familie hielt zusammen.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1941 ging der Familie auch dieses verloren. Johann und sein Bruder wurden zur Zwangsarbeit in ein Arbeitslager nach Kasachstan deportiert. Das war eine grausame Zeit, gezeichnet von Hunger, Leiden, Ungerechtigkeit und Tod. Die Tatsache, dass Johann diese Jahre überlebt hat, verstand er immer als eine besondere Gnade Gottes.

Dort, unter diesen schweren Umständen, traf Johann Wiens die wichtigste Entscheidung seines Lebens: Er nahm Jesus Christus als seinen persönlichen Herrn und Heiland im Glauben an. Von nun an bestimmte sein Glaube sein Leben.

Johann erzählte oft und gerne über seine Erlebnisse und Erfahrungen, die er als Christ gemacht hat. Uns allen bleibt seine Liebe zum Herrn Jesus und zu seiner Gemeinde in besonderer Erinnerung.

Im Jahre 1948 begegnete er seiner großen Liebe und zukünftigen Ehefrau Elsa Lang. Am Silvesterabend 1950 heiratete das Paar unter sehr bescheidenen Umständen, aber in großer Liebe zu einander und im festen Vertrauen darauf, dass Gott sie durchs Leben führen wird. Ihnen wurden neun Kinder geboren, von denen 7 heute noch da sind. Das junge Paar legte großen Wert darauf, dass ihre Kinder im christlichen Glauben erzogen werden.

Nach den Stationen Orsk in der Orenburg-Region und Omsk in Sibirien zog die Familie 1969 nach Mäetaguse in Estland. Hier lebten sie bis zur ihrer Ausreise nach Deutschland im Jahre 1975. In Johanns Erinnerungen waren es besonders schöne Jahre. Der Familie ging es wirtschaftlich besser als früher. Aber was er dort besonders schätzte, war die etwas größere Glaubensfreiheit. Das Haus der Familie Wiens war immer offen für die Gottesdienste und Versammlungen der kleinen Gemeinde am Ort.

Seit ihrem Umzug nach Deutschland haben Johann und Elsa in Siegburg gelebt, wo sie bis heute der lokalen Christengemeinde, der Evangelischen Freikirche in der Wahnbachtalstraße, angehören. Johann war immer sehr dankbar dafür, dass Gott ihm an seinem Lebensabend diese ruhigen und schönen Jahre in Deutschland geschenkt hat.

Dankbarkeit, Zufriedenheit und Achtung vor dem Anderem waren im Allgemeinen auffällige Züge seines Charakters. Auch in seiner Krankheit bis zuletzt bewahrte er diese Grundhaltung.

Nach dem tragischen Verkehrsunfall im November 2001 konnte Johann sich nicht mehr frei bewegen und war in den letzten Jahren an sein Bett gebunden. Am 6. November, an einem regnerischen Morgen, ist Johann im Alter von 82 Jahren im Kreise seiner Familie und in Frieden zu seinem Herrn gegangen.

Er hinterlässt seine Ehefrau Elsa, sieben Kinder, 31 Enkel und zwei Urenkel. Als Familie empfinden wir einen tiefen Verlust eines von uns so geliebten Menschen – Ehemanns, Vaters, und Großvaters. Johann Wiens war ein weiser und gottesfürchtiger Mann, der unser Leben tief geprägt hat. In unserer Trauer empfinden wir eine große Dankbarkeit Gott gegenüber, dass er uns für so viele Jahre einen so guten Ehemann und Vater geschenkt hat.

Ehefrau Elsa Wiens, Familie Hans und Adina Wiens, Familie Rudi und Anni Wiens, Familie Jakob und Erna Ewert, Familie Johann und Anni Voth, Familie Jakob und Andrea Wiens, Familie Peter und Anne Wiens, Familie Artur und Maria Tielmann

* * *

Dienstag, 13. November 2007

Wenn sich 2











* * *

Ein Mann
Wird geboren
Lebt, arbeitet, liebt
Weint und stirbt
Seine Frau lebt noch
Sie steht an seinem Grab
Und weint
Sie hat für ihn gelebt
Sie hat für ihn gearbeitet
Sie hat ihn geliebt
Sie würde ihr Leben
Für ihn
Und seine Kinder lassen -
So ein Leben
So einen Tod
Gibt es nur
Wenn sich zwei ganz bestimmte Wege
Kreuzen...

* * *

Text und Bild sind von Jan/Feb 1995. Mein Onkel Rudolf wurde damals beerdigt - der einzige Bruder von meinem Papa, den wir morgen begraben werden... So wie wahrscheinlich jeder Mensch denke ich immer wieder mal sehr intensiv an den Tod. Besonders in solchen Zeiten, wenn ich Menschen, die ich liebe, verliere...

Hier noch ein Text vom 22. Juni 1998:

* * *

Was schreibe ich dir
Im Angesicht des langen Tages
Der farbenfroh, doch
Längst verblasst ist -
Der lichterloh verbrannt und
Nun für allezeit
In Dunkelheit verbannt ist -
Was schreibe ich denn
Überhaupt noch
Ich
Der ich den Rest des Tages
Als Lebender noch in mir
Spüre
Führe mich hinaus in eine Welt, die
Keine Tage kennt
Kein Blut und keine Sperma
("Wär'n wa doch schon da!..")

* * *

Mittwoch, 7. November 2007

Hauskreis



















Der Herr ist mein Hirte
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines namens Willen.
Und ob ich schon wanderte
im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkst mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
mein Leben lang
und ich werde bleiben im Hause des Herrn
immerdar.

Diesen Bibeltext (Psalm 23) mochte mein Vater sehr. In meinem Hauskreis bei Familie Born heute Abend hatte ich das Gefühl, meinem Vater besonders nahe zu sein - komischerweise gerade in dem Augenblick, als ich in die fröhliche und Pizza genießende Runde hinein sagte "Gestern ist mein Vater gestorben" und wir darüber reden konnten... Mein Vater war meistens sehr gut gelaunt und manchmal hörte ich ihn sagen "Жизнь Малина" (Zhisnj Malina). Melina heißt das kleine Baby der Borns, dessen Geburt wir heute im Hauskreis feierten. Zufall?

Sonntag, 4. November 2007

Waut es dit?











* * *

Dee Mon we nich schult
Uck wan hee
Dach schiend, soo dach!
Jo, dee Nacht we butajeweenlich
Etj schuw dee Schult opp ahr
Setj etj Schult?
Wurom?
Deed etj nich aules aul emma
Enne Dreem
Em Kopp
Wan etj schmustad
Wan etj rede deed
Eenfach rede
(En toohorche!)
Rede
Om to jewenne
En biem Rede mok etj
Schult -
Doa sie etj aul wada...
Etj sie onruhich
Waut es dit?
Dit Jefeel
Dit Bange no Leew
Eene Sort Leew
Dee etj nich opp emma
Hoole kaun...

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Das Foto (Mensch mit Maske) ist vom NRW-Tag 2007 in Paderborn. Das plautdietsche Gedicht schrieb ich am 4.11.06, heute vor einem Jahr, während eines Integrationsseminars in Unna-Massen... Eine Übersetzung ins Deutsche ist als Kommentar gepostet. Eine Übersetzung ins reale Leben suche ich noch...

Donnerstag, 1. November 2007

Bruck dem Dach











* * *

Froag nich
(Daut doaf een Mensch nich weete)
Woon Enj fe mie, en woont fe die
Dee Gottheite sich utjedocht ha,
Leukonoosche,
En dee Babyloonsche Stern
Lot toch!
Wiels woovel beta doch, wan eena
Droage kaun, waut tjemmt!
Jefft Jupiter ons vele Wintasch noch
Ooda dem latsten
Dee nu aun Stiepasteena bratjt
Daut Mea von Tyrenoi
Lew mett Vestaunt
Hool kloa dem Wien
En moak dee lange Hopninj kort!
Noch wan wie rede
Rant dee domme Tiet ons fot:
Bruck dem Dach en
Jleew moa weinich bloos aun
Morje

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Dit es eene Ode von Horaz (Carmen 1,11). Aus etj aune 1989 dem Film "Dee Klub vonne Doodje Dichta" sach, hed etj dise Wed tom eschten Mol. Vondoag zemorjens hed etj mie selwst Carpe diem to eenem Frint saje en haud opp eenmol Lost, dise Wed opp Plautdietsch to ewasate. Wan uck zimlich frie... Daut Foto bowe es utem ditjoaschen Hoafst, biem Spezeregone aum Seajelflugplautz en Oerlinghausen...