Montag, 27. Dezember 2010

amo11










Wenn alles vorbei ist
Wenn es nicht mehr knistert
Warm und still
Dann ist Feuerabend
Dann wollen wir nicht mehr
Reden und träumen
Von Sommer und Winter
Von Frühling und Herbst
Dann spüren wir
Dass sie ein Lied sind
Eins
Wie Tag und Nacht
Wie Wort und Stimme
Wie Vater und Sohn
Wie Liebe
Die alles verbrennt und
Wie Kälte
Die alles vereist
Kein Buchstabe dieser Welt
Wird sie aufhalten
Wenn sie kommen
Wenn alles vorbei ist
Wenn es nicht mehr knistert
Warm und still

* * *

Merkwürdig: Bin heute Morgen zwischen 4 und 5 wach geworden und hatte diesen Text im Kopf.... Manchmal notier ich mir Dinge, die ich selbst nicht verstehe, aber ich mach's trotzdem. So wie ich Fotos mache. Einfach so...

Samstag, 18. Dezember 2010

Wiehnachte










Tschipucha
Nich schlemm
Daut sed'a foaken
En daut meend'a uck jenau soo
Oba hee sed mie vondoag uck
Daut Hee
Dee ons aula goot tjant
Dee aules moake kaun
Mie bewoare woat
Mie aules jewe woat
Waut etj bruck
Daut sed'a
En bruckd doatoo dee Stemm
En dee Leew
Von sienem ellsten Sehn
Tom daut Hoat von sienem jinjsten Sehn
Een bet stella moake
Een bet Sonn jewe
Een bet ennseepe mett Schnee
Een bet speare

* * *



Dise Jetoa funk etj ver een poa Doag gaunz billich em Lidl - en mok mie selwst een Jeschentj ;) Haud se sullt beta enstemme verrem Video-Oppnehme. Dit we daut eschte Jetjlimpa en daut wull etj spontan dokumentere. Eenfach ut Dommheit. Apropos Jeschentje: Vondoag zemorjens laus etj eene Mail von mienem Brooda Hauns ut Australien, mett soone goode Wed... En een poa Menut lota tjlinjad dee Potschtaljon aune Dea en brocht mie een seetet Pakeetje von miene Ma... Daut Lewe haft uck emma een poa Siede, dee soo witt send aus Schnee, soo woam aus Wiehnachte.

Montag, 13. Dezember 2010

Systemisch. Sympathisch


Kann nicht schlafen
Mein Geburtstag ist längst vorbei
Samstag, Sonntag, es ist schon
Montagmorgen
Dich
Und so viele andere Menschen
Habe ich enttäuscht
Ich
Will einfach nur schlafen
Aber die Nacht ist heute nicht
Auf meiner Seite
Ihr Wasser ist tief und kalt und ihre
Schönheit und Frische ist heute
Nicht einladend
Zeig mir
Noch einmal dieses Familienfoto
Das bist du?
Unglaublich!
Wie wenig ich dich kenne!
Und wer sind all die anderen?
Schön
Dass du mir diese Musik mitgebracht hast
Ich höre dich darin
Ich höre das
Worüber wir nicht reden konnten
Was in unseren Genen steckt
Ich nehme es hinein in
Meinen Raum
In meine Ohren und in mein Herz
Schlafen?
Wie denn?

* * *







Freitag, 10. Dezember 2010

Warum ich dich so mag


Weil du dieses Eis von McDonald's magst
Weil du die warmen Strahlen der Sonne liebst
Weil du diesen Namen trägst
Du bist klug und du bist schön
Es fällt mir leicht, mit dir zu reden
Ich will ständig mit dir reden
Du kannst so lachen und du weinst wie ein Kind
Das steckt an, ich lache mit dir
Und meine Tränen finden
Ein Flussbett wie kein anderes in dieser Welt
Du bist eine Frau
Du bringst neues Leben in unsere Tage und Nächte
Auch in meine und
Du machst das so gut
Dass am Ende eigentlich nur eine Frage bleibt:
Wie machst du das!?
Du hattest Pech mit deinem Nest
Du hattest Grund zum bitteren Schweigen
Zu unendlich lauten Schreien der Verzweiflung
Zu einem echten Ende und du
Wähltest dennoch das Ohr eines Freundes
Das Herz eines Unbekannten
Unsere Häuser sind in Sichtweite und
Unsere Türen und Fenster sind
Nicht verschlossen
Das war nicht mein Plan und noch weniger
Meine Leistung
Da habe ich
Wohl einfach Glück gehabt

* * *

Samstag, 27. November 2010

Sonntag, 21. November 2010

Soon Dach




Mama en du
En tweschen junt dee Sonn
Soon Dach
Haft mie vondoag mien
Voda em Himmel
Jeschonke
Eenfach soo jeschonke -
Waut saul etj doone?
Wiedaschlope?
Dreeme?
Oppstone?
Opprieme
Waut lidje jeblewe es?
Dochwoll -
Daut doo!
Sajcht mien Hoat en moakt een
Tjlienet Fensta op en
Lat junt nenn
Toop
Mett dise scheene Leeda ute
Schootmeschien

* * *

Hatte heute Morgen irgendwie große Lust, diese 21 Zeilen für meine Mama und für dich, mein lieber Bruder Heinrich, zu schreiben. Und während ich mit Text und Bildern spiele, läuft in meinem Laptop diese zauberhafte Panflötenmusik, die du immer so mochtest...

Freitag, 19. November 2010

Dienstag, 16. November 2010

PET.RUS



Die Pet Shop Boys kommen aus Russland
Quatsch!
Doch, das stimmt, schau mal nach
Wo
Bei Wikipedia
Wikipedia? Da kann doch jeder jeden Scheiß schreiben
DAS ist Quatsch!
Und du glaubst wirklich, die sind Russen?
Ja
Und warum singen die auf Englisch?
Machen doch alle
Und warum heißen die dann Pet Shop Boys?
Das erste Wort steht für Petjka
Aha. Und das zweite?
Für Schop, das ist Russlandmennonitisch
Verstehe. Und Boys?
Steht für Jungs aus Bojewoi
Soso, das ist ja eine richtig hirnlose Theorie
Stimmt. Ist eh alles sinnlos
Oh... Sag mal, was bewegt dich?
Dieser blöde Petuch
Petuch?
Ach, schon gut. Meine Schuld
Du bist verrückt
Ja. Verlogen und kanonisiert

* * *

Sonntag, 14. November 2010

Dein Schmuck







Du sagst immer
Nichts ist besser als die Natur
Und, weißt du, ich glaube dir heute
Noch mehr als an jenem Tag
Als ich dich zum ersten Mal sah
Mein Herz stand still
Weil ich überwältigt war und eigentlich
Nicht wusste, warum
Ich weiß es auch heute nicht viel besser
Aber ich sehe und lerne
Dass nichts, wirklich nichts
Schöner und besser ist als das
Was Gott gemacht hat
Was Gott geschenkt hat
Was uns den Atem verschlägt und unsere
Augen weit aufreißt
Was mich
Den zufällig (?) in den Genuss Gekommenen
Verrückt und glücklich macht
Dein Schmuck
Ich weiß es ganz genau
Auch wenn ich nur einen Teil davon gesehen habe
Ist ein Geheimnis
Voller Schönheit und Liebe und Wärme
Dein Schmuck ist heilig
Und er gehört weder dir noch
Noch mir und
Wird wohl ein Teil dieses Gartens sein
In dem du Ordnung halten möchtest
Wie du mir neulich gesagt hast
Und ich hörte still
Deine Stimme und deine Bitte an Gott
Dass er dir hilft
Dass er dich und deine Kinder
Beschützt
Und ich glaube
Er wird das auch tun
Denn dein Schmuck
Ist sein Schmuck

* * *

Samstag, 13. November 2010

Lude Leew









Waut du mett mie deist!
Woo deist du daut!?
Woo scheen mie daut jeit!
Woo scheen!!
Waut opp dise haulfkeputte Welt
Kaun beta senne!?
Deepa
Jrata
Woama
Blifft bloos dee Sonn
Wiels soone Sache send soo
Selde
Dochwoll send wie
Too seea mette Ed vebunge
Nich frie jenuch
Frie
Befriet
Befriet von eene groote Laust
Befriet mett Leew
Leew!
Doo mett mie
Waut du mett mie deist
Doo daut vondoag
En doo et uck morje
En doot et soo
Aus du daut wellst
Dien Hoat en
Mien Hoat
Oppe goode oole Wies
Lud
Soo schwoa en soo langsam en soo lud
Daut een Framda daut nich uthellt
Daut ons Leet noch hundat Joa
En hundat Lenda wieda
Onse Tjinja schmustre lat
Waut deist du!?
Waut deist du mie!?
Waut du mett mie deist
Well uck etj mett die doone
Dit hia es een
Ludet Leet
Een ludet Licht en
Eene gaunz besondre Sort von
Leew

* * *

Samstag, 6. November 2010

Hunger. Stiller.









Papa, sag mal, wie war das mit dieser Pferdescheiße?

(er schweigt)

Mit diesen Pferdeäpfeln. Es war Nacht, ihr hattet Hunger…

(er schweigt)

Schläfst du?

(er schweigt, lächelt, seine Augen bleiben geschlossen)

Schlaf ruhig weiter, ich will dich nicht stören. Bist wahrscheinlich sehr müde geworden, nachdem Mama dich gewaschen hat. Tausendmal hin und her drehen. Muss anstrengend sein…

(mit undeutlicher Stimme, sehr leise) Hat geschmeckt!

Was?

(Etwas deutlicher, aber leise) Hat geschmeckt, die Pferdescheiße!

Wirklich? Glaub ich nicht! Sag mal wirklich, wie war das?

(er lächelt schon wieder)

(ich warte, berühre seinen Arm)

Hast DU so was schon mal gegessen?

Nein. Hat sich bis jetzt nicht ergeben.

Gott sei Dank! Wünsch ich dir auch nicht. (Pause) Wir hatten Hunger. Hunger ist stärker als Krankheit. Der Krieg hat uns alle kaputt gemacht. Aber da war dieses Feld. Tagsüber haben die da mit Pferden gearbeitet. Es war Nacht. Wir dachten, wir würden Kartoffeln finden. Am Ende ist es egal, was du in den Mund steckst. Du willst einfach etwas essen… (er lächelt nicht mehr)

Papa… (ich streichle mit der rechten Hand sein Gesicht, fahre mit den Fingern durch sein immer noch kräftiges weißes Haar)

(er lächelt)

Du lächelst viel. Das gefällt mir.

Tust du das auch?

Ich weiß nicht. Wahrscheinlich nicht so viel. (Pause) Sag mal, Papa, wie war das mit diesem Agronom in Sibirien. Dieser Mann, den du in seinem Auto überall hinbringen musstest. Der hat sich doch mal so richtig über dich geärgert, weil du immer beim Fahren gelächelt hast. Warum eigentlich? Nur, weil du gelächelt hast?

Der dachte, ich bin verrückt geworden.

Quatsch! Erzähl mal, ehrlich.

(er lächelt)

Da war was. Aber was? Vielleicht hast du mir das schon einmal erzählt, ich hab’s vergessen.

Da war nicht viel. Aber für mich war das sehr viel. Und für ihn war das wahrscheinlich zu viel…

Du hast bestimmt die ganze Zeit gepfiffen im Auto, diese Lieder, die wir immer im Gottesdienst singen, und dann ist er irgendwann einfach ausgeflippt und hat dir gesagt: Hör auf, du blöder Baptist!

Nein, aber so ähnlich.

Du hast gesungen?

Nein, in seiner Anwesenheit nicht. Aber so ähnlich. Ich habe jeden Morgen auf dem Weg von dieser großen Garage, von wo ich das Auto holte, bis zu meinem Agronom – gebetet, einfach so laut und deutlich im Auto zu Gott gesprochen. Ich war ja noch allein im Auto. Ich habe Gott jeden Morgen gesagt, wofür ich ihm an diesem Tag dankbar war. Mir ist nicht jedes Mal sehr viel eingefallen, aber ein paar Sachen sind mir doch immer eingefallen. Und manchmal sogar solche Dinge, die mich selbst überraschten. An einem Morgen, eigentlich war ich ziemlich krank an diesem Tag, da hatte ich mich bei Gott für genau diesen Mann bedankt, den ich da jeden Tag im Auto hatte und aushalten musste.

(Papa redet langsam, manchmal zu undeutlich, sein Parkinson hat ihn kaputt gemacht)

Eigentlich war er einigermaßen freundlich zu mir. Dafür habe ich Gott ein herzliches Dankeschön ausgesprochen. Und ich glaube, an diesem Tag, es war ein dunkler Novembertag, da habe ich etwas mehr gelächelt als sonst. Besonders, wenn ich mit ihm sprach. Er redete manchmal sehr viel wegen seiner Arbeit und diesen Menschen, die seiner Meinung nach alles falsch machten und solche Sachen. Dabei hörte ich ihm einfach nur zu, mehr wollte er ja von mir auch nicht. Aber an diesem Vormittag ging in meinem Kopf mein Gebet weiter und während der Mann sprach, dankte ich Gott auch noch dafür, dass er gesund war, dass seine Kinder ganz in Ordnung waren, dass wir bis heute noch keinen Unfall hatten und so was alles. (Pause) Ich war sehr zufrieden. Und ich war sehr überrascht, als er mich plötzlich so verständnislos ansah und auf einmal losbrüllte, wie ein Irrer. (Pause) Na ja, es gibt Schlimmeres. Er hat mich ja nicht geschlagen. Wir sind einfach weiter gefahren.


(ich schweige)

(er schweigt auch)

Was hast du ihm dann gesagt?

Ich weiß es nicht mehr. Am nächsten Tag, und überhaupt jeden nächsten Tag, so weit ich mich an diesen Agronom erinnern kann, war er sehr freundlich zu mir. Sogar viel höflicher und respektvoller als zu seinem Chef, vor dem er eigentlich Angst hatte.

Komisch, wie das Leben so läuft…

Ja, komisch. (Pause. Tränen in seinen Augen)
Schmeckt nicht immer alles.


* * *

Papa ist 1925 in Margenau (Ukraine) geboren und heute vor drei Jahren in Siegburg gestorben... Siehe auch Noda Voda oder Emma Isa

video

Donnerstag, 4. November 2010

Hee sed, hee es



* * *

فَأَجَابَهُ يَسُوعُ: «أَنَا هُوَ الطَّرِيقُ وَالْحَقُّ وَالْحَيَاةُ. لاَ يَأْتِي أَحَدٌ إِلَى الآبِ إِلاَّ بِي

* * *

Sonntag, 17. Oktober 2010

Menschen und Maschinen













Du bringst es nicht zur
Perfektion?
Mein Sohn
Dann lerne das, was ist
Zu lieben
Menschen und Maschinen
Sind doch sowieso so gut wie nie
Perfekt
Wenn du dich wundern kannst und staunen
Dann kannst du auch genießen und
Entspannt
Ideen
Wie Blumen begießen

* * *


Als mein Papa noch lebte und ich noch keinen Führerschein hatte, hatte ich trotzdem immer wieder mal seine Autoschlüssel in meinen Händen. Sie fühlten sich irgendwie gut an. Wenigsten mal diesen alten hellblauen Diesel-Passat aus der Garage rausfahren, dachte ich. Das müsste doch klappen. Hatte aber nicht geklappt :( Meine Strafe: Ein freundliches Lächeln von meinem Vater und ein kleiner Auftrag: Reparier das. Selbst. Das war für mich natürlich noch schwerer als Autofahren mit ohne Führerschein und mit noch weniger Erfahrung. Ich erkundigte mich bei Viktor, schmierte Farbe und Spachtel drauf und sah schon wieder dieses zufriedene Lächeln meines Vaters. Es war wohl weniger wegen der "perfekten" Reparatur. Aber mein Herz war wieder einmal mehr als repariert. Ich vermisse dich, Papa...

Dienstag, 12. Oktober 2010

Doo





Moak dee Oge too, doo
Eenfach soo aus wan du
Wada hia bie mie best
Wada hia bie mie best
Moak dien Laptop ut, Brut
Komm no mie, nu ran rut
Welle toop bediesle
Welle toop bediesle
Moak doch, waut die jankat
Wies mie, waut die jankat
Doo, waut fe die goot es
Doo, waut fe die goot es

* * *

Hab vondoag dee Musitj von ZAZ ("Je veux") fe mie entdatjt en sie gaunz bejeistat! Aus etj ahr horchd, einmal, tweemol, en dan emma wada en emma wada, we etj meist bedieselt en schreef dise domme Wed ;)

Sonntag, 10. Oktober 2010

Ibus Sternchen





Du bist heute 8 geworden
Oh mein Gott
Wie können Menschen so schön sein
So
Unendlich wunderbar schön
Sogar die Zahlen im Kalender
Machen heute Spaß
Du hast heute Geburtstag
Du bist da
Und es ist unbeschreiblich schön
Dass du da bist
Dass dein süßes schlitzohriges Lächeln
Unsere Welt verzaubert
Dass wir gucken und
Staunen
Wie machst du das!?
Wie hat Gott das so gut geschafft!?
Du bist wie die Sonne
Wie die Liebe
Wie Gummistiefel am Strand
Wie ein Stück Brot
Wie eine Tochter
Einzigartig und geliebt
Wirklich sehr sehr geliebt
Ich glaube
Ich war schon lange nicht mehr
So begeistert
Und
Du lebst
Du hast heute Geburtstag
Du bist 8
8 ist heute meine absolute
Lieblingszahl
Und du
Du bist und bleibst
Abrahams Tochter
Im Winter, im Frühling
Im Sommer, im Herbst
Immer
Wirklich immer
Auch dann
Wenn niemand deine Tränen
Sieht

* * *

Donnerstag, 23. September 2010

SMS * * * Sonn Mon Stern




Afens dreemd mie
Daut etj mett die rede deed
Etj sach die lache
Rane
Nopp opp eenen grooten Boaj
Du en diene Tjinja
Jie lachde lud en weifelde mett
June Oarms en june Been en june Tjap
En rande wada rauf
En aus du unje wescht en
Wada ver mie stundsd
Dan rande mie dee Trone
En du sachst daut nich
Dreemd mie

Mittwoch, 1. September 2010

Supersilber





* * *

Also was
Soll ich jetzt dazu sagen?
Schweigen?
Zwanzig Jahre
Viele Tage, sehr viele Nächte
Ich stehe noch
Mehr oder weniger gerade
Ich sehe noch
Mehr oder weniger Licht
Aber ich glaube
Ich habe aufgehört zu reden
Ich sage viel
Aber ich rede nicht
Ich rede mir nichts mehr ein
Ich rede mir nichts mehr von der Seele
Meine Kruste schweigt
Wie altes Blut
Wie trockenes Brot
Kommt da noch was?
Habe ich etwas verpasst?
Ich will einfach nicht mehr fragen
Und auch nicht mehr reden
Müssen
Zwanzig Jahre
Viele Tage, sehr viele Nächte
Also was soll ich jetzt dazu sagen?
Ich wende mich ab
Ich wende mich dem zu
Was jenseits der Liebe liegt
Die ich so wenig verstehe
Über die ich eigentlich noch nie
Etwas Klares sagen konnte
Aber jenseits
Jenseits dieser unerreichten Liebe
Irgendwo dort
Sind diese versprochenen Worte
Da müssen sie sein
Da will ich sie finden
Sie aussprechen und sie endlich auch
Empfangen
Empfangen für immer und ewig
Ja
Vielleicht
Bin ich einfach noch nicht
Still genug

* * *

Samstag, 21. August 2010

Galaktisch



* * *

Pater noster
Papa?
Qui es in caelis
Ich liebe die Sonne, den Mond und die Sterne
Sanctificetur nomen tuum
Ich staune über deine Geheimnisse
Adveniat regnum tuum
Ich spüre etwas Neues
Fiat voluntas tua
Von mir aus kann es endlich kommen
Sicut in caelo et in terra
Ich träume vom Himmel auf Erden
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie
Von eingelösten Versprechen
Et dimitte nobis debita nostra
Von diesem galaktisch entfernten Moment
Sicut et nos dimittimus debitoribus nostris
Wenn wir uns trotz unserer Schuld
Et ne nos inducas in tentationem
In die Augen sehen
Sed libera nos a malo
Und Liebe spüren

* * *

Freitag, 23. Juli 2010

Nur ein Wort















Was war das denn? Diesen Zustand kannte ich noch nicht! Wie oft habe ich schon darüber gestaunt: Es fühlt sich so merkwürdig an, wenn man aus dem Schlaf geholt wird und regelrecht live dabei ist beim Übergang von Nichtwachsein in Wachsein. Der eigene Körper und alles, was sonst noch zu mir gehört, erlebt eine Art Auferstehung. Das ist ein sehr schöner Vorgang. Auch wenn dabei Müdigkeit an der Oberfläche liegt. Da ist dann doch diese unendliche Energie des Lebens im Spiel, die mich daran erinnert, dass ich da bin, dass es mich gibt. Und dass du da bist, dass es dich da draußen irgendwo gibt. Aber das, was da heute Vormittag geschehen ist, das war noch eine ganz andere Nummer. Ich war ja schon wach, aber trotzdem bin ich irgendwie wach geworden, sehr wach, so wach wie noch nie! Inzwischen sind fast zwei Stunden vergangen und ich muss das jetzt einfach mal aufschreiben. Als ich vorhin in den Spiegel sah, merkte ich, warum mir der Kiefer und der Bereich zwischen Mund und Ohren inzwischen weh tat: Ich sah im Spiegel das breite Grinsen eines überglücklichen Menschen und muss wohl schon fast zwei Stunden in diesem Zustand eingefroren gewesen sein. Meine Augen sahen verheult aus. Aber ich hatte doch gar nicht geweint. Diese Berührung muss echt heftig und unerwartet stark gewesen sein. Was war das? Wir hatten doch einfach nur telefoniert, einfach nur geredet. Sie sagte mir, sie hätte noch zu tun und wollte auflegen. Ja, genau. Dann kam dieser Moment. Bevor sie auflegte, schwieg sie eine Weile und dann sprach sie es aus. Es war tatsächlich wohl nur die Art und Weise, wie sie es tat. Oder dass sie es so freundlich und bewusst tat. Oder ihr fiel einfach nichts Besseres ein. Oder noch etwas ganz anderes, was ich nicht verstehen kann. Es war nur ein Wort. Nur ein Name

* * *

Donnerstag, 15. Juli 2010

Droag mie

























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Übersetzung? Siehe Kommentar...

Donnerstag, 8. Juli 2010

Donnerstag, 1. Juli 2010

Halbfreunde




Vor vielen Jahren kam ein kleiner Junge aus einem kalten Land nach Deutschland. Seine Eltern hatten ihn einfach mitgenommen und er fand das Leben in diesem Land später auch ganz schön und heiratete so wie alle seine Freunde. Er wurde Clown in einem Zirkus und er liebte diese Arbeit. In seiner Stadt lebte eine Frau, die aus einem heißen Land nach Deutschland gekommen war. Sie kam ohne ihre Eltern, heiratete hier einen Mann aus einem anderen heißen Land und wurde auch Clown in einem Zirkus. Aber in einem anderen Zirkus. Einmal wollten die Chefs der beiden Zirkusse, dass ihre Clowns gemeinsam in einer Show auftreten. Die beiden Clowns kannten sich noch nicht. Und sie sollten sich vorher auch nicht treffen und sich dann an diesem Zirkusabend zum ersten Mal begegnen und die Menschen mit ihren spontanen Ideen zum Lachen bringen. Die Clowns waren einverstanden. Aber leider war der Clown, der aus einem kalten Land kam, gerade in einer schlimmen Lebenskrise. Und auch bei dem Clown aus dem heißen Land war leider etwas Schlimmes passiert. Etwas Furchtbares, etwas sehr sehr Trauriges. Trotzdem dachten beide: Arbeit ist Arbeit, wir machen das. Dann kam dieser besondere Zirkusabend. Das Zelt war ganz voll, denn die Leute liebten diese Clowns und sie hatten gehört, dass sie heute zum ersten mal gemeinsam eine Show machen würden. Und dass sie sich vorher nicht zum Üben oder Besprechen getroffen hatten. Alle waren sehr gespannt, als der Programmpunkt endlich dran war. Es war der letzte Punkt an diesem Abend. Alles war still. Dann bewegt sich etwas. Eine Sonne kam in die Manege. Es war einer der beiden Clowns, von Kopf bis Fuß als Sonne verkleidet. Und es wurde plötzlich wärmer und wärmer im Zirkuszelt. Der Clown lächelte und war still. Dann kam von der anderen Seite ganz leise und langsam der andere Clown. Er war weiß, oder so wie Glas. Die Zuschauer konnten erkennen, dass er von unten bis oben voller gefrorener Eisstücke war. Wie hat er die nur festgeklebt? Nicht einmal sein Gesicht war zu sehen. Oh, das musste aber sehr kalt unter dieser Verkleidung sein! Der Eis-Clown konnte nicht so richtig gucken. Der Sonnen-Clown sagte leise ein paar Worte, so dass der andere langsam näher kommen konnte. Dann standen sie beide da, richteten sich zueinander, zum Publikum, und wieder zueinander. Eine ganze Minute sagten sie nichts. Aber es war niemandem langweilig. Im Gegenteil. Noch nie hatten die Leute so etwas gesehen und jeder spürte diese Wärme im Raum und dachte: Oh, das muss aber sehr heiß sein unter dieser Sonnen-Verkleidung! Und jeder ahnte diese Kälte bei dem anderen Clown und einige Zuschauer hatten sogar Gänsehaut. Dann fing die Sonne plötzlich an zu reden. Sie sagte:

Ich bin die Sonne
Ich bringe Licht und Wärme auf die Erde
Ich kann Leben geben
Ich kann Liebe schenken
Wenn das nicht geht
Dann verbrenne ich

Dann war sie still. Sie schwieg. Im Zirkuszelt herrschte Totenstille, bis das Eis zu reden begann:

Ich bin die Erde
Ich habe alles
Was Pflanzen und Tiere und Menschen zum Leben brauchen
Aber ohne Sonne
Bin ich nichts
Ohne Sonne
Bin ich einfach ein großes Stück Eis
Ohne Sonne
Sterbe ich

Dann war der Eis-Clown still. Und weil er jetzt schon eine Weile neben der Sonne gestanden hatte, schmolz auf einer Seite langsam sein Eis. Im Gesicht wurde jetzt ein Auge frei. Das Publikum war ihm egal. Egal? Er konnte jetzt endlich sehen, wer diese Sonne war. Aber er konnte nur ein paar Sekunden klar sehen, denn das Eiswasser hatte sich inzwischen mit Tränenwasser gemischt und er hielt seine Augen einfach geschlossen. Die Menschen im großen Zirkuszelt spürten, wie er sich fühlte. Er war noch nie so glücklich wie an diesem Abend. Und noch nie so unglücklich. Und weil das Publikum immer noch so leise war, hörte er ganz deutlich, wie ein kleines Kind unter den Zuschauern seiner Mutter zuflüsterte: Mama, ich muss dir was sagen. Die Mutter sagte leise: Ja, mein Kind, was ist denn? Niemand merkte, dass sie in ihren Gedanken abwesend war. Und vielleicht hörte sie es auch gar nicht, als ihr Kind zu ihr sagte: Schön, dass du da bist.

* * *

Freitag, 21. Mai 2010

Sometimes you can't make it on your own



Ich konnte mich nicht von der Stelle bewegen. Es ging auf und ab. Mal schluchzte er leise vor sich her, mal war gar nichts zu hören, und dann wieder fing es an. Er konnte sich nicht beherrschen und heulte wie verrückt. Es schien alles aus ihm herauszubrechen. Es war richtig laut und schnitt wie ein verschlucktes Messer alles in mir auf. In mir? Bei ihm oder bei mir, das wusste ich nicht mehr. Ich hielt mein Ohr ganz fest an die Tür und spürte den Schweiß zwischen meinem Ohr und diesem alten weißen Lack. Wahrscheinlich ging er in seinem Zimmer auf und ab. Dann war es wieder leise. Ganz lange ganz leise. Nur die Vögel draußen im Garten waren zu hören. Ich konnte mich immer noch nicht von der Stelle bewegen. War so sehr in meinen Gedanken verloren. Wäre peinlich, wenn er jetzt die Tür aufmachen würde und seine Vermieterin hier so sehen würde. Nicht auszudenken. Ich wollte den Wäschekorb wieder nehmen und zur Wäschespinne gehen. Komisch. Dieser Weg durch den Keller bis in den Garten… Warum kam er mir vor wie ein unendlich langer Weg? Ich dachte an meinen Vater. Unwillkürlich. Und da war es wieder, dieses verschluckte Messer. Ich drückte mein Ohr noch fester an die warme nasse Tür. Er muss eingeschlafen sein. So leise war es hier noch nie. Ich wollte hier nicht mehr weg. Für immer und ewig verbunden bleiben. Diese Musik aus seinen Kopfhörern schien ihn wohl nicht mehr zu erreichen. Ich spürte mein Herz klopfen und stellte die Lautstärke der Vögel da draußen und das Lied nebenan auf unendlich laut. So konnte alles kommen. Und alles gehen. Und es war eine Weile sehr in Ordnung für uns alle

* * *

Mittwoch, 5. Mai 2010

Betthoffen



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Zum Foto: Das war neulich am Hücker Moor...

Sonntag, 2. Mai 2010

Zimt




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Zum Hintergrundfoto: Das war neulich vor der Sparrenburg in Bielefeld mit ein paar Freunden aus Pretoria...

Sonntag, 25. April 2010

Einfach, genial









* * *

So ist er dann wohl
Unser Gott
Gut, ich bin nicht ganz sicher
Aber so wird er wohl sein
Allmächtig
Er kann einfach alles
Und er ist viel einfacher als
Alles
Kompliziert ist der Mensch
Kompliziert bin ich
Ich
In meiner Verdorbenheit
In meiner Verdrehtheit und in meiner
Vergangenheit
Verdammt -
Und gerettet
Gut, ich bin nicht ganz sicher
Aber so wird es wohl sein
Er liebt mich
Und je mehr ich das glaube
Umso mehr liebe ich ihn auch
Meinen Gott
Meinen Schöpfer
Der Himmel und Erde einfach so
Gemacht hat
So genial sein Geist in mir wirkt
So gespenstisch sind meine
Zweifel
Ich glaube, ich brauche noch etwas
Mehr Beziehung
Mehr Zeit in seiner Nähe
Denn dort scheinen
Sonne, Mond und Sterne
In Ordnung
Bei ihm
Oder vielleicht sogar
Mit ihm
Lösen sich langsam
Aber anscheinend sicher
Die verrücktesten Verspannungen
Von Körper, Seele und dieser
Ewigen Sehnsucht nach
Liebe

* * *

Als ich heute Morgen schon so halb wach war, meinen Kaffee genoss, Kapitel 11 und 12 aus Die Hütte noch durch meinen Kopf geisterten, da gingen mir auch diese Gedanken über Gott durch den Sinn... Letzten Sonntag entdeckte ich diese hübsche Kirche hier in Theesen und heute bin ich da einfach mal zu einem Gottesdienst gegangen. Als ich anschließend raus ging und an der Straße etwas stehenblieb, zurückschaute, wie Pastor Schillig allen Leuten die Hand gab und etwas Nettes sagte, kamen zwei Radfahrer an mir vorbei: ein Mann etwa in meinem Alter und ein kleiner Junge mit einem süßen roten Helm auf dem Kopf. Ich stand da in der warmen Sonne, las die Info-Tafel der Kirche und hatte keine Lust, wegzugehen. Dann spürte ich etwas an meinen Füßen. Der kleine Junge war unbemerkt zu mir gekommen und legte zwei Luftballons zu mir und ging wieder zurück zu - seinem Vater? Ich schaute zu den beiden rüber. Der Junge lächelte, der Mann zuckte freundlich fragend mit den Schultern. Beide fuhren weiter...

Montag, 12. April 2010

Mal Melek, mal weg












* * *

Sie scheint so schön auf das Dach
Auf die rotbraunen Ziegeln
Keine Ahnung
Wer in diesem Haus wohnt
Ich schaue hinaus und spüre
Den Abend
Den frischen Wind des Frühlings -
Sie trifft ihren Bruder
Wenn ich meine Augen schließe
Sehe ich ihre Umarmung
Ihr Herz ist still und verbrannt
Sie drücken sich herzlich und lachen
Sie leidet, sehr
Er hat ihr Filme mitgebracht
Sieht ihre Kinder, trinkt ihren Tee
Du bist so dünn geworden, sagt er ihr
Sie reden viel, fast die ganze Nacht -
Ich glaube
An den Morgen
An den Tag, an die Nacht
Und auch daran
Dass Sonne, Mond und Sterne
Kaputte Herzen heilen

* * *

Und falls Sonne, Mond und Sterne es nicht schaffen, dann bestimmt ihr Schöpfer. Als ich vorhin die Abendsonne auf das Nachbarhaus scheinen sah, gingen mir diese Gedanken durch den Kopf... Das Foto habe ich neulich vor dem Bielefelder Bahnhof gemacht, als ich am Mövenpick-Haus hochschaute und mir einfiel, dass die halbe Welt gerade Nouruz feierte...

Samstag, 20. März 2010



* * *

Mama sed: Daut Lewe es koddrich en lostich.
Jane eare Mutta sed: Immer, wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.
Ahm siene Mutta sed: Darbo D'hubo. Et tjemmt. Uck wan et wee deit.

* * *

Sonntag, 21. Februar 2010

Wota



* * *

Erst mit
Dann ohne Stimme
Bist du Wasser -
Oder Mutter
Wenn dein W sich in dir spiegelt -
Oder Vater
Wenn deine Konsonanten
Erst stimmlos
Und dann stimmhaft sind -
Die Vokale
Finden ihren Sinn im Staunen
So staune ich und fließe
In meiner Muttersprache
Durch den Fluss der Zeit
Ins Aquarium der
Ewigkeit

* * *

Diese Zeilen habe ich mir am 2.11.1996 notiert und weil heute der Internationale Tag der Muttersprache ist, fielen sie mir wieder ein... Zum Foto: Vor genau einem Jahr in Shipyard gemacht. Hier wird jenseits von Englisch, Strom und anderen Ablenkungen unserer Zeit meine Muttersprache Plautdietsch gesprochen. Und ein Schiff gebaut...

Montag, 18. Januar 2010

Endoont!?


* * *

Waut saul etj doone?
Wan linjsch en rajsch dee Welt
Ut eare Hoakes rutscht
Wan daut, waut bowe
Nu opp eenmol unje es

Wem saul etj roope?
Wan linjsch en rajsch dee Lied
Mett Ed en Blood en Angst
Beschafticht send
Mie seene, oba mie nich here

Wea sitt mie hiele?
Wan linjsch en rajsch mien Kopp
Mett Blood en Blott beschmeat
Besied mie licht -
Nu
Es dit uck mie endoont

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Dit Foto mok Erwin Friesen wearent dee Plautdietsch-Studienreis em Feebua 2009 en Belize (Karibik). Tjeena von ons kunn weete, waut t. B. een Joa lota en Haiti pessere wudd...